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WENN DIE VERPACKUNG WICHTIGER ALS DER INHALT IST

Anklagende Schlagzeile - kein Inhalt der dies stützt

20. Juni 2009 - Berlin :: Für eine reißerische Schlagzeile verzichten viele Medien gerne auf die qualitative Information - welche dem Versprechen aus der Schlagzeile folgen sollte. Auch die taz, die sich sonst eher als qualitativen Upgrade gegenüber den Mainstream-Medien versteht, kann dieser Versuchung nicht widerstehen.

In der Ausgabe vom 9.6.2009 bemüht man den Vergleich von Opel und Arcandor, um sich in der Behauptung zu versteigen: "Frauen-Branchen lässt man sterben".


imageStaatshilfe abhängig vom Geschlecht - so die taz

Die Bundesregierung rettet Opel, Arcandor nicht. Damit gehen vornehmlich Frauenarbeitsplätze verloren. Die Ökonomin Friederike Maier sinniert in der taz über industriepolitische Prioritäten.

"Arcandor-Verkäuferinnen weniger wert als die Opel-Schrauber?" fragt man mit Sorge bei der taz.

"Ja", wird geantwortet in Person von Friederike Maier, Direktorin des Harriet Taylor Mill-Instituts der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin. "Es wird auf jeden Fall mit zweierlei Maß gemessen. Was nicht ganz zufällig mit dem Geschlecht der dort Arbeitenden korreliert", so die fachliche Meinung.

Die Autoindustrie sei der der Politik wichtiger als der Handel. Die Begründung liefert aber nicht der überwiegende Männeranteil in der Autoproduktion, sondern ein volkswirtschaftlicher Irrglaube. Dazu kommen mehrere falsche Selbstdefinitionen, wie sich Deutschland als Wirtschaftsstandort selbst begreife.

Den abschließenden argumentativen Todesstoß liefern namentlich nicht genannte frauendominierte Industrien, die man in den siebziger Jahren sang- und klanglos hat sterben lassen: Textilindustrie, Bekleidung, Nahrungsmittel. Gab es plötzlich keinen Bedarf mehr für Bekleidung oder Nahrung oder warum hat man aus reiner Boshaftigkeit massenhaft Frauenarbeitsplätze vernichtet ?

Was nun ? - Sind wir nun international arbeitsteilig, wie es nach der taz-Expertin sein soll? Dann wandern doch Arbeitsplätze dahin ab, wo Frauen (oder Männer) auf diesem Globus für weniger Geld als in Deutschland arbeiten.

Frau Friederike Maier, beklagen Sie sich bei Ihren indischen, chinesischen oder bangladeschischen Geschlechtsgenossinen (und deren Kinder), weil diese den deutschen Frauen den Arbeitsplatz wegnehmen (anstatt in die Schule zu gehen, die Kinder). Und gleichzeitig bei den unsolidarischen deutschen Frauen, welche bei Lidl und kik die unter unwürdigen Bedingungen hergestellten Billig-Importe deutscher Qualitätsarbeit vorziehen. [»»]

Mit einer volksverdummenden single-issue-Argumentation lässt sich alles, je nach Interessenlage, als gut oder schlecht "beweisen".


Ideologie vor Sachverstand

Dass die SPD als erste Partei fordert, dass man mit staatlicher Hilfe bei Arcandor vor allem Frauenarbeitsplätze retten sollte, darüber freut man sich aus taz-Sicht.

Dies wirft ein bemerkenswertes Licht darauf, welchen wirtschaftlichen Sachverstand man der eigenen Leserschaft bei der taz bzw. der SPD-Parteiklientel zutraut; oder welche Blindheit gegenüber Fakten außerhalb der eigenen Ideologie.

Jeder der ab und zu zufällig an einem Kiosk, in der Tankstelle, am Bahnhof, beim Bäcker etc. ein paar Wirtschaftsschlagzeilen aus der Entfernung mitbekommen hat, weiß, dass Geld welches der Staat als Hilfe an Arcandor gegeben hätte, den armen Beschäftigten nichts genützt hätte. Das wäre vor allem einer handverlesenen reichen Clique zugeflossen, denen das Schicksal der Arcandor-Beschäftigten völlig egal ist. [»»]

Wer wirklich etwas für bessere Arbeitsbedingungen von Frauen tun möchte, sollte auf solche Artikel verzichten.


So dumm ist der Bürger im Durchschnitt doch nicht

Wer seinen Lesern oder Parteigängern eine solch simplifizierte Einheitsmeinung verpassen möchte, kann dann schon eine Überraschung erleben.

Am Schluß des taz-Artikels kommt Frau Maier zu einer Erkenntnis, welche ihrer eigenen Enthüllung einer frauenfeindlichen Politik widerspricht und Hoffnung auf mehr Vernunft im Volk als bei Ideologen aufkommen lässt.

Die Frage, weshalb 2/3 der Deutschen keine Arcandor-Rettung durch den Staat befürworten (da waren sicher auch ein paar taz-Leser dabei), trotz des Arguments "Frauen", dafür hat Frau Maier folgende Erklärung:

Diese 2/3-Mehrheit ist nicht gegen Frauenarbeitsplätze, sondern möchte nicht, dass mit ihren Steuergeldern für Managementfehler bezahlt wird. "Die Eigentümer haben die Gewinne privatisiert, nun wollen sie die Verluste sozialisieren."

Das klingt doch nach einer vernünftigen Begründung durch das normale Volk.