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JACK WELCH WIRD VOM SAULUS ZUM PAULUS

Shareholder Value - blödeste Idee der Welt

14. März 2009 - New York : Der "Erfinder" und langjährige Verfechter des Shareholder-Values Jack Welch, ist laut einem Interview mit der Financial Times zur Erkenntnis gekommen: Shareholder Value - das ist die blödeste Idee der Welt

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Jack Welch
20 Jahr CEO bei General Electric

Was mag den alten Herrn und langjährigen Chef des weltgrößten Gemischtwaren-Konzerns General Electric wohl geritten haben, fragen sich wohl einige. Aber Jack Welch liefert die Antwort dazu, was ihn zu dieser Einsicht gebracht hat. Immerhin gibt er damit einen großen eigenen Fehler zu, damit verwirft er, was er früher als Erfolgs-Lektion verkauft hat.


Manager des Jahrhunderts

Im Jahre 1999 wurde Jack Welch vom Wirtschaftsmagazin "Fortune" zum Manager des Jahrhunderts gewählt.

1981 kam er an die Spitze des ins Schlingern geratenen Unternehmens General Electric. Welch steigerte den Umsatz von 27 Milliarden US-Dollar im Jahr 1981 auf 130 Milliarden US-Dollar im Jahr 2001, der Jahresgewinn versiebenfachte sich auf ca. 12,7 Milliarden US-Dollar; gleichzeitig verringerte sich die Anzahl der weltweiten Mitarbeiter von 400.000 auf 300.000.

Kern seines Managementansatzes war die Regel „Fix, Close or Sell“. Danach wird ein Unternehmensteil der die Wachstums- und Renditeziele nicht erreicht oder operative Defizite aufweist, geschlossen oder verkauft, sofern die Probleme nicht innerhalb von 2 Jahren gelöst werden können.

Weit über die Grenzen der USA hinaus gilt er als wirtschaftlicher Vordenker.


Wie wird aus Erfolgsrezept die "blödeste Idee" ?

Jetzt, mit 10 Jahren Abstand nach der Kür zum Manager des Jahrhunderts, kann man auch sagen: Im ausklingenden 20 Jahrhundert mögen seine Methoden als richtig betrachtet worden sein. Woran Jack Welch sicher nicht gedacht hatte, wie schwache Führungskräfte versuchen, seine Methoden auf deren niedrigeres Niveau herunter zu brechen - und scheitern.

Zitat von Jack Welch
Bestimme deine Ziele selbst, oder jemand anderes wird das tun.

Die meisten Kleingeister nehmen eben von großen Ideen nur den Teil, der mit dem sie glauben klar kommen zu können. Auf diese Weise wurde der Shareholder-Value pervertiert, wurde dazu mißbraucht, um Millionen bis Milliarden von Boni für so genannte Führungskräfte mit dem Shareholder-Value zu begründen. Auch wenn deren "Erfolge" nur Strohfeuer waren.

Aus einem längerfristigen Rezept wie es Jack Welch konzipierte, kann man eben nicht Fast-Food machen und erwarten, dass es funktioniert.


Shareholder-Value ist keine Strategie

Heute macht Jack Welch deutlich: Der Shareholder-Value ist keine Strategie, sondern nur ein Ergebnis das dadurch zustande kommt, wie eigene Mitarbeiter mit den eigenen Produkten eine gute Kundschaft aufbauen und halten.

Den Kunden, der das Geld in das Unternehmen bringt, den interessiert der Shareholder-Value prinzipiell nicht. Den interessiert eine gute Leistung und nur dafür bezahlt er.

Wird dieses Prinzip von Grund auf verkehrt angewendet, bröckeln so nach und nach die Werte, welche einen hohen Aktienwert schaffen sollen: Demotivierte Mitarbeiter; Produkte bei denen es an der Qualität fehlt; enttäuschte Kunden. Und wo das Fundament nicht mehr stimmt, ist alles oben drauf eine höchst einsturzgefährdete Angelegenheit.

Was nützt ein Papier, das einen guten Zustand bescheinigt, ohne noch einen Bezug zum Fundament des Ganzen zu haben? Solch ein Papier ist höchstens dafür geeignet, dass sich schwache, überforderte "Führungskräfte" daran festhalten können in der irren Annahme, das Papier an sich würde einen Wert darstellen.