MIT PUTIN WIRD EINMAL WIEDER EIN BOCK ZUM GÄRTNER GEMACHT
Beleidigung aller richtigen »Kämpfer für das Gute«
17. Januar 2009 - Dresden :: Am Freitag Abend trafen sich in Dresden auf dem Semperopernball alles was politisch und kulturell Rang und Namen hat. Grund für das Medieninteresse war die Auszeichnung von Wladimir Putin als "Kämpfer für das Gute". Jedem richtigen Kämpfer für das Gute muß das wie ein regelwidriger Tiefschlag vorgekommen sein. Putin mag sich in seiner ersten Amtszeit als russischer Präsident einige Verdienste erworben zu haben, in der zweiten etwas weniger; aber als Kämpfer ist er nur aufgetreten, was für ihn selbst gut war.

Die Ministerpräsidenten
Wladimir Putin und Stanislaw Tillich
Jeder Orden verkommt zur Verhöhnung der Menschen, die ihn wirklich verdienen, wenn die Verleihung mehr aus Eigeninteresse als auch dem propagierten Ordenszweck dient. Und dieser unschöne Eindruck drängt sich auf, betrachtet man das ganze Vorfeld und Umfeld der "Ordensverleihung". Denn es war eine Ordensverleihung in gebührendem, feierlichen und staatstragenden Rahmen. Der Ort war eines Zaren würdig. Und auf dringenden Wunsch Putins hin, wurde der Orden persönlich durch den Ministerpräsidenten überreicht.
Wer sind die aktuellen "Kämpfer für das Gute"
Welche Anforderungen an die Ordensverleihung geknüpft sind definiert. Man wünscht sich, dass es immer wieder solche Menschen gibt, welche diese Auszeichnung auch verdienen.
Dass der Bewerber Putin diese hohe Hürde nehmen kann, da wurden die Regeln schon etwas stark gedehnt, um nicht zu sagen, überdehnt.
Die neben Putin stehenden "Mitkämpfer" für das Gute waren Schauspieler Joachim Fuchsberger und Gewichtheber Matthias Steiner. Schlechtes kann man den beiden nicht nachsagen. Gutes haben beide in ihrem Bereich geleistet. Aber ob sie den Anforderungen an besonders würdigenswerte Kulturarbeit in oder für Sachsen geleistet haben, ist zumindest den allgemein zugänglichen Medien nicht zu entnehmen.
Internationale Sphären - das kennen wir doch von den Banken
Der Vorsitzende des Ball-Vereins, Hans-Joachim Frey, aber sieht den Semperopernball mit der Teilnahme Putins in internationale Sphären vorgestoßen. Er habe den Gegenwind gespürt, glaube aber, dass Putin mit seinem Auftritt die Kritik entkräftete, zeigte sich Frey zufrieden über den gelungenen Coup.
Diesen abgehobenen Traum hatten u.a. auch die Sachsen LB, sowie sehr viele Banker, die sich in ihrer Rolle als Regional-Fürsten des Geldgeschäfts unterfordert sahen. International, global mindestens mußte es sein; und total überfordert folgte logisch der Absturz.
Es ging nicht darum, echte Kämpfer für das Gute auszuzeichnen, sondern um ein geschöntes Image zu zeigen, unabhängig von der wahren Substanz. In diesem Sinne schreibt auch Spiegel-Online: »Wie kann man jemandem, unter dessen Regie gerade mitten im Winter halb Europa den Gashahn zudreht wird, einen Orden für herausragende kulturelle Leistungen an die Brust heften ? So wird die Verleihung zu dem, was ein Opernball offenbar braucht, um wahrgenommen zu werden: zum skandalträchtigen Ereignis.«
Die Botschaft des "Kämpfers-für-das-Gute"-Putin
Putins eigentliche Botschaft als neuer weißer Ritter überbrachte er nach dem Ball noch am gleichen Abend einem Kreis von ihm geladener deutscher Chefredakteure. Sie sollten „nicht hochnäsig sein“, belehrte der Kreml-Chef die Zeitungsleute. Und was den Gaskonflikt mit der Ukraine angehe: „So lange in Deutschland die Meinung vorherrscht, Russland sei schuld an der Lage, wird die Ukraine ihre Haltung im Streit nicht ändern.“

Im Klartext: Die deutschen Chefredakteure sollten die öffentliche Meinung zugunsten Moskaus beeinflussen – dann werde das Gas schon wieder durch die Ukraine fließen. „Das klang nicht nach Konzessionsbereitschaft, eher nach dem unbedingten Willen, ein Problem final zu lösen“, bemerkte einer, der bei dem Treffen zugegen war.
Großbritannien sieht ohnehin den Gaskonflikt als Versuch Russlands, die Beziehungen der Ukraine zum Westen zu torpedieren.
Für diese Einschätzung spricht eine Bemerkung Putins im Kreis der deutschen Chefredakteure: „Man kann auch Georgien und die Ukraine anders schützen als durch eine Nato-Mitgliedschaft.“ Dass der Mann, der zwei georgische Provinzen faktisch annektiert hat, von „Schutz“ sprach, fanden einige Teilnehmer so unpassend wie die Tatsache, dass der ihm überreichte Orden das Motiv des Heiligen Georg ziert. Der ist nämlich der Schutzheilige Georgiens.
Schuster bleib bei deinem Leisten
Die Kunst soll bei der Kunst bleiben - und die Politik den Politikern überlassen. Eine Oper soll durch ihre künstlerische Leistung überzeugen, wenn das nicht gelingt, mangelt es an der künstlerischen Kapazität oder an der Führung, das vorhandene Potenzial nicht richtig zu nutzen.
Putin-Kritiker landen im Gefängnis, wo man immer wieder neue Vorwürfe findet um die Haft zu verlängern. Besonders hartnäckige Kritiker wurden einfach umgebracht.
Für diese Menschen ist der Orden an den Gewalt-Kultur-Freund Putin eine menschenverachtende Verhöhnung durch den Semperopern-Verein.
Den Ehrgeiz, medial in internationale Sphären vordringen zu wollen, haben auch viele geistig verwirrte Amokläufer. Dazu bedarf es keiner künstlerischen Qualität.
Ein guter Schuster überzeugt durch gute Schuhe und nicht nur durch eine optisch aufgemotzte Schuhschachtel. Klappern gehört wohl zum Handwerk, aber an erster Stelle kommt das Handwerk. Um über eine große Klappe und entwürdigenden Umgang in die Medien zu kommen, da liegt Dieter Bohlen bereits uneinholbar für die Semperoper an der Spitze.
Statt dessen sollte sich die Semperoper darauf konzentrieren, über ihre eigentliche Kompetenz möglichst positiv "aufzufallen" - und nicht durch einen "gelungenen Coup" außerhalb der kulturellen Betätigung. Einen Coup nennen Gauner ihr Gaunerstück. Das "Stück" das am 16.1.09 in der Semperoper aufgeführt wurde, ist eine Beleidigung all derer, die ehrlich bemühte Kämpfer für das Gute im Allgemeinen, und die Kulturpflege im Speziellen sind.
"Kämpfer für das Gute"