ÜBERRASCHENDE ENTDECKUNG VON KLIMAFORSCHERN
Pflanzen produzieren große Mengen an Methan
7. Februar 2006 :: Forscher des Max-Plank-Instituts gelang eine wichtige Enteckung, womit ein lange Zeit gültiges Wissen seinen Wert verliert: Die Lehrbücher haben eine klare Meinung, was die Produktion von Methan durch Pflanzen angeht: komplett unmöglich, solange Sauerstoff zugegen ist. Und da das bekanntlich überall auf der Erdoberfläche der Fall ist, schieden Pflanzen als Produzenten des Treibhausgases bisher aus. Pflanzen tun aber genau das, was die Biologen bisher für unmöglich hielten: Sie produzieren das Treibhausgas Methan - und zwar in einer Menge, die bis zu 30 Prozent der weltweiten Emissionen ausmachen könnte. Forscher prophezeien tiefgreifende Folgen für die Klimaforschung.
Fakten zum Thema
Die Forscher um Frank Keppler vom Heidelberger Max-Planck-Institut für Kernphysik waren nicht über ihre Ergebnisse erschrocken, sondern über die Reaktionen in den Medien darüber. Hier wurde der Eindruck vermittelt, dass die Bäume schuld am Klima-Schock wären. So sah man sich verpflichtet, eine erläuternde Pressemitteilung nachzureichen.
"Diese Emissionen sind eine natürliche Quelle", erklären die Wissenschaftler. "Sie existierten schon lange, bevor der Mensch begann, die Zusammensetzung der Atmosphäre zu beeinflussen."
Denn nach ersten Berechnungen ist es eine enorme Menge an Methan, welches die Pflanzen: 60 bis 240 Millionen Tonnen des Treibhausgases setze die Flora pro Jahr frei, was bis 10 bis 30 Prozent der weltweiten Emissionen ausmache.
Zwar ändert das nichts an der Gesamtmenge der Methan-Emissionen an sich, die durch Messungen prüfbar ist. "Es wurde keine neue Methanquelle gefunden", sagte Martin Claußen vom Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie. Für die Berechnung von Klimamodellen sei die Entdeckung der Heidelberger Forscher jedoch "interessant und aufregend". Denn in ihnen komme es auf das Wechselspiel der unterschiedlichen Treibhausgas-Quellen an.
Anthropogener Einfluß auf die Menge des Methans
Gesichert sind die Zahlen, dass die Emissionen der Menschen für den Anstieg der Methan-Konzentration verantwortlich ist, der seit Beginn des Industriezeitalters zu beobachten ist.
Seit dem Beginn des Industriezeitalters vor etwa 150 Jahren habe sich der Methangehalt der Atmosphäre bereits verdreifacht, schreiben die Wissenschaftler in "Nature".
Bekannt ist aber auch, dass die Konzentration seit einigen Jahren stagniert.
Hier könnte die Theorie von Keppler und seinen Kollegen eine Lösung bieten: Allein zwischen den Jahren 1990 und 2000 habe die Erde zwölf Prozent ihrer tropischen Regenwälder verloren, was den jährlichen Methan-Ausstoß um 6 bis 20 Millionen Tonnen gesenkt habe.
Zusammenhang: CO2-Konzentration <> Methan-Produktion
Durch das Zusammenspiel von Methan und Kohlendioxid, dem wichtigsten Treibhausgas, könnte sich laut Keppler eine Rückkopplung mit fatalen Folgen ergeben. "Eine höhere Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre lässt Pflanzen schneller wachsen. Dadurch gelangt mehr Methan in die Luft."
Das wiederum lässt die globalen Temperaturen steigen, denn Methan ist als Treibhausgas 20 bis 30 Mal wirkungsvoller als Kohlendioxid und nur deshalb die Nummer zwei unter den Klimagasen, weil es in der Atmosphäre in kleineren Mengen vorkommt.
Nun hat Kepplers Team auch herausgefunden, dass die Methan-Produktion der Pflanzen mit steigenden Temperaturen rasant wächst: Pro 10 Grad Celsius verdoppelt sie sich, berechneten die Forscher. Höhere Temperaturen bedeuteten deshalb automatisch mehr Methan, was wiederum für Erwärmung sorge.
Sind neue Wälder schädlich ?
"Während dieses Jahrzehnts hat sich die Methan-Anreicherung in der Atmosphäre um genau 20 Millionen Tonnen pro Jahr verlangsamt", schreibt der neuseeländische Experte David Lowe in einem Begleitartikel in "Nature". Dass es da einen Zusammenhang gibt, sieht Keppler auch durch Messungen bestätigt, die schwer zu erklärende Methan-Konzentrationen über tropischen Regenwäldern ergeben haben.
Lowe sieht bereits ein "Schreckgespenst" auftauchen: die Furcht, dass durch Wiederaufforstung neu entstehende Wälder die globale Erwärmung nicht etwa bremsen, indem sie Kohlendioxid schlucken, sondern durch Methan-Herstellung gar beschleunigen.
Diese Gefahr sieht Keppler nicht: "Die Methan-Produktion der Pflanzen schmälert den Klimaeffekt ihres CO2-Abbaus um höchstens zehn Prozent." Ohnehin dürfe die Studie seines Teams nicht zu der Annahme verleiten, die Methan-Konzentration sei für die Entwicklung des Weltklimas wichtiger als die von Kohlendioxid. "Unsere Untersuchung zeigt, wie extrem die Pflanzenwelt auf Kohlendioxid reagiert", so Keppler. "Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre bleibt das Hauptproblem."
Keppler erwartet "enorme Folgen" seiner Studie für künftige Berechnungen zur Klimaentwicklung. Sein Hamburger Kollege Claußen sieht das ähnlich. "Wir beginnen erst, Methan als interaktives Element in Klimamodelle einzurechnen", sagte er. "Auf die Diskussion, die dieser Artikel auslösen wird, darf man gespannt sein."
Natürliche Methan-Konzentration und Weltklima
Die neue Erkenntnis über die Methanabgabe der Pflanzen beschreibt lediglich einen einen natürlichen Vorgang, der seit der Existenz von Bäumen das Weltklima beeinflußt. Dieser natürlich entstandene Treibhauseffekt ist verantwortlich für ein Klima, welches in den meisten Teilen der Welt ein üppiges Pflanzenwachstum erst ermöglicht.
Diese Klimaautomatik funktionierte bestens über mehrere hundert Millionen an Jahren. Wenn etwas schockierend ist, dann ist es der menschliche Einfluß, der dieses fein ausbalancierte Gleichgewicht völlig aus der Balance bringt.

bei einer so "schockierenden Nachricht"
Sensationsgierige, unsachlich informierende Presse
Prompt geschah auch, was eigentlich zu erwarten war: In vielen Zeitungen war zu lesen, das Methan der Pflanzen sei verantwortlich für die globale Erwärmung (Womit die Zeitungen im Prinzip Recht haben, dies jedoch als reinen negativen Faktor zu vermitteln versuchen).
Und natürlich muß das mindestens "schockierend" sein, damit es für eine BILD-Schlagzeile taugt. Wider besseres Wissen wird so getan, als ob die Bäume erst heute auf der Welt wären; es wird unteschlagen, dass durch Abholzung der Baumbestand in den letzten Jahren abgenommen hat. Es werden unterschlagen die bekannten Fakten um die Entwicklung des Methangehalts in den letzen 150 Jahren.