Mercur ICN Energie Human Resources Nachhaltigkeit Gesellschaft + Politik
  > Mercur ICN > Info-:-Base > 2005 war das wärmste Jahr seit über einem Jahrhundert

Suche

KLIMA-STUDIE

2005 war das wärmste Jahr seit über einem Jahrhundert

25. Januar 2006 - New York :: Das vergangene Jahr war das wärmste seit Beginn der Klimaaufzeichnungen vor mehr als hundert Jahren, wie aus einer Untersuchung der US-Raumfahrtorganisation NASA hervorgeht. Bemerkenswert ist auch die Konzentration auf die letzten Jahre, in denen die fünf höchsten Jahrestemperaturwerte gemessen wurde.

image
Neue Rekordtemperaturen
in 2005


Im Jahr 2005 sei die höchste jährliche weltweite Oberflächendurchschnittstemperatur gemessen worden, erklärte James Hansen, der Direktor des Goddard Instituts der NASA, am Dienstag in einem Telefoninterview mit der Nachrichtenagentur AP.

2005 war demnach noch etwas wärmer als das bisherige Rekordjahr 1998. Dabei wurde die Temperatur in der Arktis wegen fehlender direkter Daten geschätzt, wobei die Werte nahe gelegener Wetterstationen benutzt wurden.

Hansen hob hervor, die Temperaturen seien gestiegen, obwohl es keinen El-Nino-Effekt wie 1998 gegeben habe. Er machte den Treibhauseffekt dafür verantwortlich.

Wärmerekorde auch auf Spitzbergen

imageStatt der normalen minus 12 Grad, die im Januar auf dieser arktischen Insel die Regel sind, liegen die Temperaturen weit über dem Gefrierpunkt, und zwar bei plus 6,5 Grad. Gemessen wurde dieser Wert am 16. Januar, womit er zwei Grad über dem bisherigen Höchstwert dieses Monats liegt.

Der Wärmerekord scheint genau im Trend zu liegen: Danach erwärmt sich durch den globalen, durch menschliche Aktivität verursachten Klimawandel die Arktis ständig und ist auch besonders von dieser Entwicklung betroffen. Meßbar ist der kontinuierliche Temperaturanstieg in der Arktis unter anderem an der schwindenden Ausdehnung und Dicke des Meer- und Landeises, Hauptindikator und Motor des Klimawandels zugleich. Denn das Eis bestimmt, wieviel Sonnenlicht reflektiert wird, regelt den Austausch von Wärme und Feuchtigkeit zwischen Meeresoberfläche und Atmosphäre und beeinflußt die Verdunstung.

Betrachtet man die Entwicklung über die letzten 100 000 Jahre, so war die letzte Eiszeit von viel niedrigeren Temperaturen, aber auch größeren Klimaschwankungen geprägt, die sich innerhalb von nur einigen Jahrzehnten vollzogen. "Dagegen sind die letzten 10 000 Jahre durch eine stabile, warme Klimaperiode geprägt", so AWI-Glaziologe Urs Ruth. "Doch damit scheint es nun vorbei zu sein. Wenn wir so weitermachen wie bisher, werden wir auch eine schnelle Klimaveränderung produzieren, der wir dann nicht mehr Herr werden. Denn das Klimasystem ist ein nicht lineares System, das bedeutet, wenn man eine kleine Veränderung vornimmt, ist die Antwort des Systems nicht vorhersehbar!"

Laut AWI-Forscher Christian Haas ist das Schwinden des arktischen Eises unbestreitbar. Jedoch stellt sich die Frage nach dem Zeitraum. "Was wir gezeigt haben, ist, daß die Eisdecke in der eurasischen Arktis - sprich zwischen Spitzbergen und dem Nordpol - in den 90er Jahren um 20 Prozent abgenommen hat. Über die Eisdickenabnahme insgesamt weiß man aber überhaupt nichts. Es gibt nämlich auch Gebiete, die sich abgekühlt haben, etwa der Bereich über dem nördlichen Kanada." Die Arktis dürfe man nicht "über einen Kamm scheren", so Haas. "Vielmehr muß man genau sagen, über welche Gebiete man diskutiert. Und was die augenblickliche Lage angeht, ist sie auf den Golfstrom zurückzuführen, der mehr Wärme nach Norden transportiert. Das zeigt sich auch daran, daß um Spitzbergen herum kein Eis mehr existiert, während in den anderen arktischen Gegenden die Eisbedeckung normal oder überdurchschnittlich ist."

Für die Eisabnahme in der Arktis nennt der Bericht des Arctic Climate Impact Assessment fünf mögliche Ursachen: die durch die Schnee- und Eisschmelze zurückgelassenen dunkleren Oberflächen, die den größeren Teil der Sonnenstrahlung absorbieren und die örtliche Erwärmung verstärken; jener Teil Strahlung, der durch Treibhausgase absorbiert wird; die dünnere und sich damit schneller aufheizende Atmosphäre über den Polen; der mit schwindender Meereisbedeckung verstärkte Wärmeaustausch zwischen Ozean und Atmosphäre und der Transport der Wärmeenergie aus niederen Breiten durch den Golfstrom. Der letzte Grund ist laut Haas in diesem Fall die beste Erklärung für den aktuellen Wärmerekord.

Ähnlich sieht das auch Peter Lemke vom AWI. Die Ursache liegt für ihn in den zur Zeit herrschenden meteorologischen Verhältnissen: Seit Wochen steht nämlich ein stabiles Hochdruckgebiet über Finnland und Nordwestrußland. Um dieses Hoch wird im großen Bogen kalte Luft, die vom Nordpol kommt, über Sibirien und über Moskau bis nach Deutschland geleitet. Dieses Hoch endet jedoch bei Norwegen, an seiner Westseite wird warme Luft nach Norden gezogen. "Diese warme Luft, die praktisch schon seit Wochen bis nach Spitzbergen nordwärts fließt, sorgt dafür, daß dort Tauwetter herrscht, während wir in Deutschland durchaus arktische Temperaturen haben!"

Der kontinuierliche, aber langsame Trend zur Erwärmung, der in der Arktis doppelt so groß ist wie im normalen Mittel, wird demnach immer wieder von Wetterschwankungen in Form solcher sogenannten Blocking-Hochs überlagert, die sich wochenlang halten können. "Die tauchen ab und zu mal auf", so Lemke, " aber es kommt nicht sehr häufig vor, also nicht jedes Jahr." Gleichzeitig ist der Erwärmungstrend durch den Klimawandel ungebrochen, deshalb werde man auch in Zukunft weitere Wärmerekorde registrieren. Dazu kämen dann jedoch wieder meteorologisch bedingte Kälteperioden, die den Mittelwert dann wieder nach unten drücken.